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Ein Marathon ist nicht genug: Michael Kühnlein macht den Ironman PDF  | Drucken |
Mittwoch, den 19. Dezember 2018 um 18:23 Uhr
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Für viele Fußballer gehören die Waldläufe in der Vorbereitung zu den schlimmsten Einheiten im Jahr. Für Michael Kühnlein darf es dagegen gerne etwas mehr sein: genauer gesagt 42,195 Kilometer. Der Schreezer hat mittlerweile den achten Marathon hinter sich und plant nun den nächsten Schritt.
 
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von Thomas Nietner (www.anpfiff.info)
 

"Ich habe mich letztes Jahr nach einem Triathlon in der olympischen Disziplin in Ingolstadt dazu überreden lassen, dass ich nun auch am Ironman in Roth teilnehme", erzählt Michael Kühnlein von seinem jüngsten Vorhaben. Am 7. Juli wirft er sich dann in den Main-Donau-Kanal, um nach 3,8 Kilometern für 180 Kilometer auf das Rad umzusteigen und anschließend noch 42,195 Laufkilometer abzuspulen. "Für viele Fußballer wäre wohl das Schwimmen schon heftig", schmunzelt Michael Kühnlein. Er weiß, von was er redet und hat daher in Vorbereitung auf sein Vorhaben extra einen Gruppenschwimmkurs belegt, um noch einmal an den Basics zu feilen. "Wenn man das Schwimmen nicht von klein auf in der Perfektion gelernt hat, ist es im Alter umso schwieriger." Aber Becken und Baggersee sind dann noch einmal zwei Paar Schuhe. Das musste der Wahl-Ingolstädter mittlerweile auch schon feststellen. "Das ist noch einmal gewöhnungsbedürftig. Schwimmen bleibt mein Handicap, obwohl ich aktuell drei Mal die Woche trainiere", beendete er die Schwimmdistanz mehr über als unter Wasser. Das spornt ihn aber weiter an. Die zwei Kilometer im Training will er nun kontinuierlich steigern. Zeit dazu hat er, nachdem das Rad aufgrund der kalten Temperaturen und Dunkelheit erst einmal Winterpause hat.

 

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Sein letztes Spiel für den SV Schreez ist schon einige Zeit her: Michael Kühnlein (schwarz) anpfiff.info


"Normal eineinhalb Jahre Vorbereitung!"

Bis zum Startschuss in Roth verbleiben ihm aber noch sieben Monate Zeit. "Normal heißt es, man braucht dafür eineinhalb Jahre Vorbereitung", erzählt der Zwei-Meter-Mann. Michael Kühnlein versucht es bereits mit sechs bis acht Monaten. Für Fußball bleibt da natürlich keine Zeit mehr. "Die Jungs fehlen mit natürlich. Das war schon eine coole Zeit - ob in der Saas, Oberpreuschwitz oder in Schreez", blickt er etwas wehmütig auf seine Fußballkarriere zurück. Ganz abhaken will der 29-Jährige diese zwar noch nicht ganz, aber aktuell steht der Ironman klar im Vordergrund. Seit der Vorsaison hat er daher nur drei Spiele für die Orange-Schwarzen absolviert, auch weil das 14-tägige Pendeln zwischen Bayreuth und Ingolstadt für den Fußball in seinem Zeitplan wenig Spielraum lässt. "Da bin ich mit dem Laufen schon flexibler", sieht man Michael Kühnlein am Wochenende gerne mal seine Runden auf der Hausstrecke um die Uni Bayreuth drehen. "Ausschließen will ich für die Zukunft nichts. Mein Pass liegt noch in Schreez", lässt ihn der Fußball weiter nicht ganz los. Vor dem Ironman will er auf der anderen Seite aber keine Verletzung mehr riskieren.

 

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Neben seiner Zeit in Schreez und in der Saas spielte er auch mehrere Jahre für den ASV Oberpreuschwitz anpfiff.info


Traum von New York

"Durchkommen ist mein Ziel", backt der Innenverteidiger vor seiner Teilnahme erst einmal kleine Brötchen. Bei seinem letzten Marathon landete er mit einer Zeit von 3:55 Stunden und knapp über 42 Kilometern auf einem soliden Mittelfeldplatz. Das war im Sommer beim Marathon in Ingolstadt. "Theoretisch kann die Strecke aber jeder auch ohne Training laufen", kann er dies aber nicht empfehlen: "Dann wird die Strecke richtig lang. Das habe ich beim ersten Mal in Frankfurt gemacht. 25 Kilometer ging es gut. Dann hat es bitterböse geendet!" Nach quälenden 17 Restkilometern und mittlerweile dem achten Marathon weiß der gebürtige Bayreuther, von was er spricht. Neben dem Berlin Marathon, der mit einem Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor endet, zählt er dabei den Lauf in Las Vegas bislang zu seinen persönlichen Highlights. "Das war nachts bei 12 Grad. Das war schon richtig geil. Genauso in Berlin mit 40.000 Startern und vielen Zuschauern an der Strecke. Das setzt schon Glücksmomente in einem frei. Das macht das Laufen leichter", erzählt Michael Kühnlein von imposanten Kulissen und bewegenden Momenten. Sein Traum bleibt aber weiterhin New York. Den Traum teilte er sich einst mit seinem jedoch frühzeitig verstorbenen Vater. "Zu seinem 50. Geburtstag wollten wir den Marathon gemeinsam laufen. Jetzt laufe ich eben alleine, aber für ihn mit", war Michael Kühnlein einst vor über zehn Jahren über seinen Vater zum Laufen gekommen.

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Michael Kühnlein läuft beim Berlin-Marathon durch das Ziel. anpfiff.info


Alle vier Kühnleins in der Altliga?

Zwischenzeitlich hatte er die Laufschuhe aber wieder mit den Fußballschuhen getauscht, um im Winter auch schon einmal die Schlittschuhe anzuschnallen. Der Ex-Saaser ist eben nicht nur flexibel, sondern absolut sportaffin. Für die Deutsche Nationalmannschaft war ihm in der Vergangenheit auch kein Weg zu weit. Ob Bordeaux oder Warschau - alles mit dem eigenen Auto hin und zurück und ein paar Tage später wieder von Bayreuth aus zum nächsten Spiel: Alles kein Problem für Michael Kühnlein und diverse andere Bayreuther Schlachtenbummler. Ein Vorhaben konnte er in jener Zeit nicht verwirklichen: Mit seinem Bruder Nicolai und den beiden Cousins Alexander und Max selbst gemeinsam auf dem Feld zu stehen. "Da kam immer etwas dazwischen. Entweder war einer verletzt oder nicht da", ärgert er sich über die einmalige Chance, nachdem alle vier Kühnleins zwischenzeitlich das Schreezer Trikot trugen. Nachdem es Alexander Kühnlein nach Seybothenreuth verschlagen hat und Bruder Nicolai zurück zum Heimatverein in die Saas wird wohl so schnell nichts mehr daraus. "Vielleicht in der Altliga", spekuliert Michael Kühnlein, ohne den Plan vollständig abzuhaken. Ein Tor steht dazu auch noch aus. Das ist dem Hünen trotz seiner Größe bislang immer noch nicht gelungen. "Ich bin wohl der kopfballschwächste Zwei-Meter-Mann", nimmt der Innenverteidiger die eigene Torlosigkeit mit Humor. Neben all dem Ehrgeiz schätzt er eben auch die Geselligkeit beim Fußball. "Ich bin auch kein Kostverächter", schmunzelt er. Bis zum Juli heißt es dann aber schon einmal auf die eine oder andere Köstlichkeit zu verzichten: Denn der Ironman wirft bereits seine Schatten voraus.

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Den Marathon hinter sich, den Ironman noch vor sich: Michael Kühnlein anpfiff.info
 
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