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Comeback in Sicht: Jonas Friedrich: "Ich sah aus wie Frankenstein!" PDF  | Drucken |
Samstag, den 08. Dezember 2018 um 09:19 Uhr
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Ein halbes Jahr nach seinem letzten Spiel gegen den TSV Glashütten kickte Jonas Friedrich in diesen Tagen erstmals wieder beim Hallentraining der Orange-Schwarzen mit. Wenn in zwei Wochen auch noch die Metallplatten aus dem Gesicht entfernt werden, ist er quasi wieder ganz der Alte. Jene unheilvolle Partie im Abstiegskampf wird der 24-Jährige dennoch wohl nie vergessen.
 
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von Thomas Nietner (www.anpfiff.info)
 
"Es geht mir gut. Ich habe die Verletzung großteils überstanden", gibt Jonas Friedrich Entwarnung. Ein halbes Jahr nach seinem Zusammenprall mit dem Glashüttener Keeper strebt der Schreezer bereits wieder das Comeback an. Zwei Trainingseinheiten in der Halle liegen bereits hinter ihm. Eine dritte Einheit fiel dem Club-Spiel gegen Leverkusen zum Opfer. Das ließ sich der eingefleischte Cluberer nicht entgehen. Das soll jedoch eine Ausnahme bleiben. Im neuen Jahr will er wieder angreifen. "In zwei Wochen bekomme ich die Metallplatten aus dem Gesicht entfernt", steht Jonas Friedrich davor noch eine abschließende Operation ins Haus. Jene Platten waren nötig, um die gebrochenen Knochen zu stabilisieren. Nach einem halben Jahr neigt sich die Leidenszeit damit dem Ende entgegen.
 
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Nach dem Entscheidungsspiel gegen Trockau musste Jonas Friedrich (schwarz) ein halbes Jahr pausieren. anpfiff.info

Ein ungutes Gefühl

 

Angefangen hatte alles an jenem 6. Mai 2018 mit einem unguten Gefühl. "Es lief alles etwas unglücklich. Beim Aufwärmen hatte ich einen dicken Knöchel. Eigentlich wollte ich schon gar nicht spielen, aber für uns war es ein wichtiges Spiel", blickt der Flügelflitzer zurück. Vier Spieltage vor dem Saisonende stehen die Orange-Schwarzen bereits mit dem Rücken zur Wand. Im Abstiegskampf zählte jeder Punkt. Für Jonas Friedrich war es eine Ehrensache, dass er trotz Beschwerden mit von der Partie ist. Er schluckte kurzerhand ein paar Schmerztabletten. Ein gutes Gefühl hatte er dabei nicht. Dann ging Glashütten nach dem Seitenwechsel auch noch in Führung. Es lief quasi alles gegen die Orange-Schwarzen. Und auch der Schiedsrichter war nicht gerade auf der Schreezer Seite. Denn als Jonas Friedrich den Ball trotz eines Zusammenpralls mit dem TSV-Schlussmann über die Torlinie beförderte, entschied der Unparteiische zum Unverständnis der Schreezer auf Stürmerfoul und gab den Treffer nicht. "Ich spiele den Ball und er geht ins Tor. Ich kann die Szene nicht objektiv beurteilen", war es für den Schreezer wohl eher kein Foul. Doppelt bitter: Denn von jenem Zusammenstoß trug Jonas Friedrich eine schwere Kopfverletzung davon - ohne dass er das zunächst merkte. Der 24-Jährige spielte bis zum Schlusspfiff durch. "Es war ein langer Ball. Ich habe gemerkt, dass es eng werden könnte, aber ich habe die Chance gesehehen, den Ball noch zu erreichen", erinnert sich der Unglücksrabe an jene Szene, die für ihn schwerwiegende Folgen haben sollte.

 

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Jonas Friedrich unmittelbar vor der Operation. anpfiff.info

"Ich sah aus wie Frankenstein!"

 

"Ich war nach dem nicht gegebenen Treffer noch motivierter. Ich habe mich geärgert, dass das Tor nicht gezählt hat", machte sich der Schmerz bei Jonas Friedrich während der Partie noch nicht bemerkbar. Das Pech blieb den Schreezern in jener Begegnung aber bis zum Schluss an den Stiefeln kleben. Als Jonas Friedrich in der Schlussminute im Strafraum zu Fall kam, blieb die Pfeife des Schiedsrichters erneut stumm. "Wahrscheinlich weil ich mich vorher so aufgeregt habe", spekuliert Jonas Friedrich. Eine fatale Entscheidung für die Orange-Schwarzen: In der Endabrechnung fehlte der Knop-Elf jener Zähler, um den Entscheidungsspiel gegen Trockau zu entgehen. Jene Partie verloren die Schreezer - ohne Jonas Friedrich - und stiegen letztendlich direkt ab. Jonas Friedrich hatte da bereits einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich. Nach dem Spiel machen sich bei ihm Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar. Daraufhin sucht er die Notaufnahme auf und blieb erst einmal dort - erst in Bayreuth, dann in Erlangen. Die Ungewissheit ist quälend. Erst nach einigen Tagen stand die genaue Diagnose fest: Stirnhöhlen und Augenhöhlen sind gebrochen. Eine Woche später wird Jonas Friedrich operiert. "Es wurde quasi von Ohr zu Ohr quer über den Schädel aufgeschnitten. Ich sah aus wie Frankenstein", zieht er Vergleiche mit der allseits bekannten Schauergestalt.

 

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Kein schöner Anblick: Jonas Friedrich nach der Operation. anpfiff.info

"Ich kehre als stärkere Person zurück!"

 

Die Schmerzen ließen sich aber ertragen. Jonas Friedrich ist ein Kämpfer. Der Cluberer ist hart im Nehmen. Die Schreezer Fußballfamilie unterstützt ihren verletzten Teamkollegen und stattet den Offensivmann einen Besuch im Krankenhaus ab. Das bestärkt ihn in jener schwierigen Zeit. "Es war sicherlich nicht die schönste Zeit", gibt Jonas Friedrich im Rückblick zu. Aber er versucht, gestärkt aus der Situation hervorzugehen: "Es war eine wertvolle Erfahrung. Ich kehre als stärkere Person zurück." Mit dem Fußball deswegen aufzuhören, ist für ihn kein Thema. Dafür ist Jonas Friedrich zu sehr Fußballer, auch wenn er in seiner Jugend zwischenzeitlich die Schuhe an den Nagel hängte. "Ich bin Straßenfussballer", zwinkert der gebürtige Tübinger, der den Großteil seiner Jugend aber vor den Toren Nürnbergs in Feucht verbrachte. "Der Fußball hat mir viel gegeben. Ich wollte immer zurückkehren", hatte Jonas Friedrich ein festes Ziel. Bis auf eine kleine Narbe bleibt wohl von jenem verhängnisvollen Zusammenprall nicht viel zu sehen. "Da wachsen Haare drüber", erinnert Jonas Friedrich mittlerweile nichts mehr an Frankenstein.

 

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Jonas Friedrich plant in der Rückrunde sein Comeback. anpfiff.info

"Ich war eh nie der große Kopfballspieler!"

 

In jenen Tagen schnürte Jonas Friedrich erstmals wieder die Hallenschuhe. Die fußballfreie Zeit hat für den Fußballfanatiker damit erst einmal ein Ende. "Es war unerträglich, nicht spielen zu können. Für die Psyche war das wichtig. Der Kopf ist frei. Ich habe keinen Hemmungen an den Ball zu gehen. Ich war eh nie der große Kopfballspieler", gibt Jonas Friedirch grünes Licht. Ein halbes Jahr nach seiner Verletzung will er die Sache auf sich beruhen lassen. Den Schiedsrichter will er keinen Vorwurf machen. Der stand nicht in unmittelbarer Nähe. Zwei Monate wird Jonas Friedrich nach dem Entfernen der Metallplatten wohl brauchen, bis er wieder mitkicken darf. Dann startet in Schreez die Vorbereitung. In der Rückrunde will er wieder mit dabei sein. Dann will er den Orange-Schwarzen zur Rückkehr in die Kreisklasse verhelfen. Der Kreis könnte sich somit für ihn im kommenden Mai wieder schließen. "Das wird noch ein harter Weg. Die zwischenzeitliche Schwächephase hängt uns nach", schaut Jonas Friedrich auf die Tabelle. Kommilitone Christian Bärwinkel hatte ihn einst mit zum SV Schreez gebracht. Selbst ein verregnetes Training mit einer Handvoll Trainingsteilnehmern konnte ihn damals nicht abschrecken, wieder mit Vereinsfußball aufzunehmen. Und selbst eine Kopfverletzung haut Jonas Friedrich nicht so schnell um.

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