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Fußball in der Warteschleife: Vielleicht September, März oder Irgendwann?
473998.jpgWar die ganze Quälerei möglicherweise völlig umsonst? Oder verfrüht? Seit mehrern Wochen schwitzen die Fußballer für den Restart und waren motiviert wie selten zuvor. In dieser Zeit wartete der Verband vergeblich auf das Zeichen aus der Politik, Zuschauer zuzulassen und damit für ein Stück Normalität zu sorgen. Jetzt steht im Grunde genommen alles auf der Kippe. Ein Kommentar.
 
Von Hans-Jürgen Wunder (www.anpfiff.info)
 

Es scheint, als würden die notorischen Pessimisten doch Recht behalten. Bereits bei Ausbruch der Pandemie im März prophezeiten die nämlich, dass Fußball im Kalenderjahr 2020 nicht mehr um Punkte und Tore gespielt werden würde. Freilich gab es zunächst Grund zur Hoffnung. Denn nach dem Lockdown wagte die Gesellschaft die ersten zögerlichen Schritte zurück zur Normalität. Auch beim Fußball. Zunächst das aufwändige und streng reglementierte Coronatraining, das trotz zahlreicher Einschränkungen für eine gewisse Erleichterung bei den Vereinen sorgte. Man konnte sich unter Kollegen wieder treffen, gegen die Kugel treten und die Bewegung mit dem Gefühl verbinden, dass es bald weitergeht. Und als dann Körperkontakt bei den Einheiten und später sogar wieder Trainingsspiele zwischen unterschiedlichen Mannschaften erlaubt waren, ging eine gewisse Erleichterung durch die regionale Fußballwelt. Verband, Funktionäre und Aktive kämpften nun Seite an Seite und guten Mutes um Normalität und die Fortsetzung der abgebrochenen Serie. Bei den Arbeitstagungen war jedenfalls eine gewisse Aufbruchstimmung zu bemerken - trotz einer latenten Unsicherheit. Dieser Optimismus flößte den Verantwortlichen auch in wirtschaftlicher Hinsicht neuen Mut ein. Denn nach einem trostlosen Jahr, in dem die Vereine durch die fehlenden Einnahmen an den Rand des Ruins getrieben wurden, war nun der berühmte Silberstreifen am Horizont erkennbar. Diese Zuversicht nährte sich auch aus anderen Quellen. Schließlich wurden im Kulturbetrieb längst schon wieder Zuschauer in beschränktem Maße zugelassen und bekanntlich ist das Infektionsrisiko bei der Ballsportart im Freien deutlich geringer.

 

Symbolpolitik auf Kosten der Fußballer?      

Die Hoffnungen auf eine Saisonfortsetzung im Herbst erhielten in den letzten Tagen einen gewaltigen Dämpfer. Die Landesregierung von Bayern signalisierte, dass mit weiteren Lockerungen auch beim Amateurfußball - sprich Anwesenheit von Zuschauern - in den nächsten Wochen nicht zu rechnen sei. Da nützte auch der Brandbrief von Verbandspräsident Dr. Rainer Koch nichts, der den Verantwortlichen um den "obersten Katastrophenschützer" (Ärzteblatt)  Dr. Markus Söder vorwarf, "über 4500 Verein im Abseits stehen zu lassen und damit deren Existenz aufs Spiel zu setzen." Wurde hier wieder einmal - mit Blick auf die Kultur - mit zweierlei Maß gemessen? Gerichte hatten die Ungleichheiten bei Corona-Maßnahmen in den vergangenen Monaten wiederholt korrigiert. Anscheinend ohne Lerneffekt. Denn noch widersprüchlicher als der Vergleich mit Theateraufführungen und Konzerten ist die Tatsache, dass im August Urlaubsreisen in problematische Gebiete erlaubt, der Sportplatzbesuch aber verboten war. Inzwischen weiß man, dass diese Reisen ins Ausland für einen großen Teil der Neuinfektionen verantwortlich waren. Mit Verboten oder einschneidende Maßnahmen bei der Rückkehr der Urlauber hat sich die Landesregierung trotzdem vornehm zurückgehalten. Dass inzwischen die Zahlen wieder nach oben gehen, konnte deshalb niemanden ernsthaft überraschen. Ausbaden müssen es wohl auch die Fußballer. Jetzt wird sogar von der "zweiten Welle" gesprochen und geschrieben und es ist zu befürchten, dass die Zügel wieder angezogen werden. Freilich lässt sich der von der "Bunkerfraktion", wie die Befürworter einer harten Linie oft spöttisch genannt werden, geforderte erneute Lockdown schwerlich durchhalten. Wirtschaftlich wie sportlich. Ohnehin erscheint es inzwischen mehr als zweifelhaft zu sein, dass der alleine seligmachende Impfstoff bereits im Jahr 2021 oder auch später gefunden werden wird. Trotz russischer Erfolgsmeldungen. Soll es dann nur noch den klinischen Profifußball geben? Sehr unwahrscheinlich. Wenn der Nachwuchs oder die Amateure nicht mehr kicken dürfen, fehlt den Bundesligen auf Dauer die Basis. Besser wäre es deshalb, in den unteren Klassen jetzt schon sinnvolle und machbare Lösungen für einen Spielbetrieb mit Zuschauern zu suchen. Und bereits im Herbst zu starten und die Konzepte weiterzuentwickeln, denn Corona wird uns möglicherweise noch sehr lange begleiten und sich im schlimmsten Fall - wie andere schwere Krankheiten - nicht vertreiben lassen.

Der Kommentar spiegelt die persönliche Meinung des Verfassers, aber nicht zwingend die von anpfiff.info wieder.

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